Warum Sie mit 08/15-Stellenanzeigen wenig gute Bewerbungen erhalten

Es ist immer dasselbe. Ich schaue mir regelmäßig aktuelle Stellenanzeigen auf diversen Plattformen an und jedes Mal wird mir schlecht. Die sehen nicht nur gleich langweilig aus, es steht auch in allen annähernd derselbe Mist drin. Hier ein kleines Abenteuer: Schauen Sie einmal selbst Ihre Stellenanzeige(n) an und legen Sie sie neben die Ihrer Konkurrenz. Ich wette Sie stellen einige Parallelen fest.

Die meisten Stellenausschreibungen, die auf den tausenden von Job-Plattformen zu finden sind, wirken wie voneinander abgeschrieben und hundertfach kopiert. Dadurch sind sie austauschbar und keinesfalls einem bestimmten Unternehmen zuzuordnen. Für einen Jobsuchenden macht es also kaum einen Unterschied, bei wem er sich bewirbt. Daher klingen auch die Anschreiben meist gleich und es fällt den Bewerbern schwer, Gründe anzugeben, warum sie sich für den Job interessieren.

Wie Sie die passenden Bewerbungen (nicht) bekommen

Das Problem dabei ist, dass die Wahrscheinlichkeit, den „richtigen“ Bewerber zu bekommen, sehr gering ist. Je aussagekräftiger die Anzeige, desto eher passen die Bewerber zur Stelle. Natürlich sind Stellenanzeigen sind die einzige Form der Kommunikation zwischen Arbeitgeber und potenziellem Mitarbeiter. Hinzukommen alle Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere die Mundpropaganda, die sozialen Medien, Presse und Website des Unternehmens. Durch all diese Medien machen sich Menschen ein Bild vom Arbeitgeber und entscheiden aufgrund ihrer Wahrnehmung, ob eine Mitarbeit für sie infrage kommt.

Sie erwarten „aussagekräftige Bewerbungsunterlagen“ und schaffen es selbst nicht, eine aussagekräftige Stellenanzeige zu schreiben? Wenn Sie sich keine Mühe geben bei der Stellenausschreibung, warum sollte sich ein Bewerber mit seinen Unterlagen Mühe geben?

3 Arten von Stellenanzeigen

Als Unternehmer liegt Ihnen daran, die Ressource Arbeitskraft effizient einzusetzen. Das bedeutet, dass Mitarbeiter möglichst wenig kosten und gleichzeitig möglichst viel erwirtschaften sollten. Sie wollen Mitarbeiter, die langfristig dem Unternehmen nützen. Die Wahrscheinlichkeit, solche Mitarbeiter zu finden und zu halten, steigt und sinkt mit dem ersten Kontakt, den ein potenzieller Bewerber mit Ihnen hat: in den meisten Fällen ist das die Stellenanzeige.

Bei meinen jahrelangen Recherchen habe ich drei Arten von Stellenanzeigen herauskristallisiert.

  • Die 08/15-Anzeige

Die am häufigsten auftretenden Art von Stellenanzeigen ist die, welche Sie zu etwa 87 % in den Jobbörsen finden. Sie haben in etwa den gleichen Aufbau: Jobtitel, Unternehmensbeschreibung, Aufgabenbeschreibung, Erwartungen an den Bewerber, Angebote des Arbeitgebers, Kontaktdaten und Aufforderung zur Bewerbung. Das ist der klassische Aufbau, welcher in Lehrbüchern gelehrt wird und dem auch grundsätzlich nichts entgegenzusetzen ist.

Dennoch lesen sie sich dem Grunde nach alle gleich und wecken in kaum einem Leser die Lust sich zu bewerben. Das liegt daran, dass keine Emotionen angesprochen werden, sondern nur mit Fakten umhergeworfen wird.

In fast jeder zweiten Anzeige unter dem Punkt „Wir bieten“ finden Sie Aussagen wie: „ein familiäres Team“, „ein gutes Arbeitsklima“, „leistungsgerechte Bezahlung“. In diese und weitere Floskeln interpretiert jeder Mensch etwas anderes hinein. Was wirklich gemeint ist, bekommen Bewerber meist erst nach Einstellung zu spüren.

Das einzig schöne ist, wenn vorhanden, das Foto über dem Text. Leider entstammt dieses nicht immer aus dem Hause des ausschreibenden Arbeitgebers, sondern ist gekauft und zeigt irgendwen irgendwo.  

  • Die 3-Sätze-Anzeige

Diese Art der Stellenanzeigen besteht aus rund drei Sätzen, die in etwa so lauten: „Wir suchen X (Berufsbezeichnung) für Y (Tätigkeit). Arbeitsort ist Z. Rufen Sie an unter 012345.“ Sie wollen ein konkreteres Beispiel? Gern: „Wir suchen eine Bürokauffrau für Assistenzaufgaben und Buchhaltung für unser Unternehmen in Eberswalde. Bewerbung bitte telefonisch oder per E-Mail.“

Diese Art Anzeigen finden Sie vorrangig auf Portalen wie ebay-kleinanzeigen. Meist handelt es sich um wenig Aushilfsstellen, Saison-Job und Stellen, die ein geringes Qualifikationsniveau erwarten. Auch wenn hier Menschen gesucht werden, die oft nicht lange oder in geringem Umfang gebraucht werden, haben sie es dennoch verdient zu erfahren, was genau sie erwartet. Dazu kommt, dass die Anzeigen oft anonym sind, d.h. der Leser erfährt nicht einmal, wer dort sucht. Mich selbst haben solche Anzeigen immer abgeschreckt, denn ich bewerbe mich doch nicht, wenn ich weder weiß, was genau ich tun soll und welcher Arbeitgeber dahintersteckt.

Ich gebe zu, diese Art tritt nicht sonderlich oft auf. Was für ein Glück! Ich schätze, dass sie etwa 3 % aller Anzeigen ausmachen.

  • Die begeisternde Anzeige

Begeisternde Anzeigen spiegeln die Identität des Arbeitgebers wider. Sie sind ansprechend und übersichtlich gestaltet. Ein Bild des zukünftigen Arbeitsplatzes und Kollegen vermittelt einen authentischen Eindruck. Diese Anzeigen verraten dem Leser ganz genau, was ihm geboten und was dafür erwartet wird. Außerdem wird die Frage im Kopf des Lesers beantwortet: „Warum sollte ich ausgerechnet bei diesem Arbeitgeber arbeiten?“ Sie machen deutlich, was an diesem Arbeitsplatz das Besondere ist und sprechen direkt die Bedürfnisse des Lesers an, sodass er sich gerne um eine Bewerbung bemüht.

Rein rechnerisch bleiben für diese Anzeigenart 10 % übrig. Das ist ein guter Anfang, aber dennoch viel zu wenig. Nutzen Sie also die Chance, durch eine begeisternde Stellenanzeige die besten Bewerber zu bekommen!

Beispiel einer sehr guten Stellenanzeige
Beispiel einer sehr guten Stellenanzeige

Warum Stellenanzeigen so langweilig sind

Ich glaube, dass die meisten Unternehmen sich ihrer Besonderheiten nicht bewusst sind und sie deshalb nicht zu Papier bringen. Ein weiterer Grund mag sein, dass sie nicht „gegen den Strom schwimmen“ wollen, sich nicht trauen, anders zu sein und so lieber in der Masse untergehen. Wir brauchen Arbeitgeber, die sich positionieren, die wissen wofür sie stehen und die Chancen in ihrer Individualität entdecken.

Wie Sie mit Stellenanzeigen Bewerber begeistern und gewinnen

Liebe Arbeitgeber,

  • Bitte sprechen Sie Klartext und verzichten Sie auf Verklausulierung und abgedroschene Floskeln.
  • Bitte finden Sie heraus, was ihr idealer Kandidat sucht und was ihn zu einem Jobwechsel (zu Ihnen) bewegen könnte -> Sprechen Sie genau das in Ihren Stellenanzeigen an!
  • Bitte zeigen Sie Ihr Gesicht und das Ihres Unternehmens, mit einem freundlichen Foto oder besser noch einem Video.
  • Bitte denken Sie beim Schreiben einer Stellenanzeige serviceorientiert, als würden Sie einen Kunden überzeugen wollen.
  • Bitte seien Sie anders und stechen Sie aus der Masse heraus.

Wenn Sie diese 5 Tipps beherzigen, werden Sie zukünftig deutlich mehr und mehr passende Bewerbungen erhalten. Versprochen!

Als Unternehmensberaterin und Business Coach stehe ich kleinen und mittelständischen Unternehmen als Ansprechpartnerin zum Employer Branding zur Seite und unterstütze im gesamten Prozess. Weitere Informationen finden Sie unter www.elisa-rehse.de

Unter dem Titel „Eine gute Stellenausschreibung schreiben“ habe ich ein 3-teiliges-Video aufgenommen, welches viele Tipps für den Inhalt einer guten Stellenausschreibung enthält:

Teil 1 Teil 2 Teil 3

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